MOSLEM WIRD CHRIST (Text)

Oktay berichtet:

Eine Frage der Ehre

„Wehe, es wird von irgendjemandem schlecht über die Familie geredet.“ Auf unser Ansehen legte mein Vater größten Wert. Genützt hat es wenig …

Versuche, Schlimmeres zu verhindern

Als mein Bruder anfing, Heroin zu nehmen, wurde er zu einem erschreckenden Beispiel für die Macht, die von Drogen ausgeht. Sein Wesen wie auch sein Körper gingen daran kaputt. Unzurechnungsfähig torkelte er durch sein Leben. Manchmal fiel er zu Hause um und lag dann lange regungslos auf dem Boden. Wie gut, dass meine Eltern dies selten miterlebt haben; sie waren an den Wochenenden oft unterwegs. Mein Bruder und ich teilten uns ein Zimmer, sodass ich als 12-Jähriger dieses Elend mit ansehen musste; auf unseren 15 Quadratmetern war ich regelmäßig Zeuge, wie er Nächte hindurch Heroin rauchte.

Als meine Eltern dahinter kamen, wie schlimm es um ihren Sohn stand, sie aber nicht helfen konnten, wollten sie mich, den Jüngsten, unter allen Umständen vor Ähnlichem bewahren und damit weitere Schande verhindern. (Ich hatte allerdings durch den Anschauungsunterricht zu Hause bereits eine derartige Abneigung gegen jede Art von Rauschgift entwickelt, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, es selbst zu konsumieren.) Einen positiven Einfluss versprachen sich meine Eltern von einem Korankurs, zu dem sie mich bald schickten. Ich wusste nicht viel über unsere Religion, obwohl Allah für mich immer irgendwie gegenwärtig war. In den 70er-Jahren war ich in einer Gastarbeiterfamilie in Deutschland zur Welt gekommen und unter türkischen Migranten aufgewachsen. Wir waren Muslime.

Einer unserer Nachbarn, ein Hodscha, begann mich und zwei weitere Jungs im Koran zu unterrichten. In mir erwachte das Leben. Ich hatte Lust, mehr über Gott zu erfahren, während zugleich mein Körper heranreifte. Ich spürte den Mann in mir und suchte das Ansehen unter Gleichaltrigen. Ich wollte respektiert sein. Ehre und Respekt – nichts hatte bei meiner Erziehung eine größere Rolle gespielt als diese beiden Begriffe – wer etwas davon einbüßte, war nichts mehr wert in der Kultur, in der ich aufwuchs … Die Deutschen waren für mich Menschen zweiter Klasse, bereits als Kind hielt ich Abstand zu denen, die in meinen Augen schwach waren und Schweinefleisch aßen. Ich lebte zwar im Land der Deutschen und hatte ihre Sprache gelernt, Heimat aber war für mich etwas anderes.

Aufstieg nach unten

Inzwischen lasen wir den Koran mehrmals in der Woche. Als ich 16 war, hatte ich dieses Buch mindestens sechsmal durchgelesen. Auf Arabisch. Verstanden habe ich dabei kein einziges Wort. Mein Lehrer war ein konservativer Muslim. Er legte Wert darauf, dass man den Koran laut rezitiert, nicht aber dass man ihn versteht.

Als mein Lehrer in die Türkei zurückging, hörten meine wöchentlichen Koranlesungen auf. In mir begann nun ein unangenehmer Kampf: Auf der einen Seite wollte ich Gott kennenlernen. Auf der anderen Seite wurden meine Triebe wach. Ich wollte leben. Doch das, was sich in meinem Körper meldete, widersprach der Moral meines Glaubens. Ich musste entscheiden: Sollte ich mein Leben mit Gott verbringen oder angepasst an die Welt da draußen? Konnte ich als Muslim überhaupt eine lebendige Beziehung zu Gott haben? Von meiner Prägung her musste ich fragen: „Wer bist du eigentlich, dass Gott zu dir persönlich sprechen sollte?!“ Dann tat ich, was viele Muslime tun. Ich schob die Beschäftigung mit Gott auf die lange Bank und nahm mir vor, diese erst dann weiterzuführen, wenn ich 50 Jahre alt wäre. Dann würde ich bereuen, mich dem Islam unterordnen und Allah gehorsam sein. Dann würde ich auch die fünf Pflichten des Islams befolgen und würde hoffentlich nach dem Tod tadellos vor Allahs Gericht bestehen können. Ich war erleichtert über diese Entscheidung, stand mir doch erst einmal nichts mehr im Wege, meine Triebe auszuleben.

Um auf der Straße respektiert zu sein, musste man Härte, Raffinesse und nicht zuletzt Geld vorweisen; so erwarb man sich Anerkennung und hatte die anderen unter sich.

Nach Abschluss der 10. Klasse unterstützte mich mein Vater nicht weiter, auf die Schule zu gehen; ich sollte einen Beruf lernen und Geld verdienen. Finanziell ging es der Familie nicht besonders gut, und so, meinte er, würde es Zeit, dass auch ich zu unserem Einkommen beitrug. Ich wollte immer schon Geschäftsmann werden, also besuchte ich die Handelsschule. Diese lag vier Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Geld für den Bus gab mir mein Vater nicht; ich hätte deshalb entweder laufen müssen oder mit dem Bus fahren – schwarz. Ich fuhr. Ohne Ticket. Ich kannte die Kontrolleure und stieg immer dann aus, wenn sie einstiegen.

Zu Geld kam ich zunächst auf meine eigene Weise. Großgewachsen wie ich bin, bot ich Schwächeren Schutz gegen Zahlung an. Um meine potenziellen Kunden gefügig zu machen, ließ ich sie erst einmal verprügeln. Schnell nahmen sie mein Angebot an und ich erhielt meinen „Nebenverdienst“. Mein Herz wurde dabei kalt und kälter. Mein Egoismus steigerte sich, ich verstrickte mich in falsche Versprechungen und Lügen, so dass ich bald selbst nicht mehr wusste, wo ich was zu wem gesagt hatte. Für den Respekt, den man mir inzwischen entgegenbrachte, zahlte ich den Preis meines Charakters. Ich fühlte mich bei all meinen Gaunereien zunehmend unwohl.

Auch zu Hause lief es nicht gut. Mein Vater, der bei uns immer das letzte Wort hatte, erwartete von mir absoluten Gehorsam. Ich respektierte ihn, war aber nicht bereit, ihm in allem zu gehorchen. Meine Rebellion bekam ich oft mit aller Härte zu spüren, wenn er mich zusammenschlug. Die Distanz zwischen meinem Vater und mir wurde immer größer und ich blieb nur meiner Mutter zuliebe daheim.

Vermeintliche Erfolge

Ich erinnere mich, dass ich oft am Fenster meines Zimmers stand, hinauf zu den Sternen blickte und Gott um Hilfe bat. Dabei hatte ich das Empfinden, dass er mich hört und mich tröstet, wenn ich in solchen Momenten zur Ruhe kam. Mit meinen muslimischen Freunden konnte ich darüber nicht reden, denn beten und irgendwie eine Bestätigung von Gott zu erhalten, dass er einen erhört, das war für sie nicht vorstellbar.

Trotz dieser punktuellen geistlichen Erfahrungen ging das Leben in meinem sozialen Umfeld weiter. Der Spagat zwischen der Kultur meiner Vorfahren und der auf der Straße war auf Dauer nicht zu halten. Das, was der traditionelle Glaube von mir verlangte, und die Angebote der Straße konnten unterschiedlicher kaum sein. So zog mich die Straße bald ganz auf ihre Seite. Ich achtete nicht mehr auf die Werte, die zu Hause galten, und folgte dem, was mein Körper wollte. Bereits mit 16 ließ ich mich mit einer Prostituierten ein, verlor meine Unschuld und fühlte mich jetzt als richtiger Mann. Es gab kein Halten mehr. Manchmal schämte ich mich für das, was ich tat, fand es aber auf der anderen Seite normal, weil es fast jeder, den ich kannte, genauso machte. Sogar Menschen aus der Moschee sah ich in diesem Sündenpfuhl; am Freitag beteten sie und in der Woche ließen sie’s krachen.

Ich schloss die Handelsschule ab und fand nach vielen Bewerbungen endlich eine Ausbildungsstelle. Zum Bürokaufmann. In einem Freizeitpark verdiente ich mir etwas nebenher dazu und später in einem der angesagtesten Nachtklubs Deutschlands in Düsseldorf, wo ich als Türsteher engagiert wurde. Alles lief wie geschmiert. Ich gab Gas und erreichte das, was ich wollte. Dazu kam, dass ein Freund, ein Hellseher, der über eine teure Servicehotline arbeitete, mir ein Angebot machte. Er hatte eine Geschäftsidee, konnte aber kein Deutsch; ich sollte ihm helfen. Gemeinsam bauten wir die Hotline aus und verdienten in wenigen Monaten fast eine halbe Million Mark. Das war wie eine Rakete ins Weltall! Wir kauften Autos, verkauften das eine wieder und kauften ein anderes … Schließlich war ich stolzer Besitzer eines Jaguars, mit dem ich auch zu meiner Ausbildungsstelle fuhr. Welch ein Feeling! Mein Ausbildungsleiter konnte sich nicht annähernd einen solchen Wagen leisten und ich, der Lehrling, fuhr damit täglich vor’s Geschäft. Und das mit erst 20 Jahren! Was will man mehr? Mein Ziel war gewesen, respektiert zu sein, und das hatte ich nun erreicht. Selbst bei meinem Vater fand ich Anerkennung, als er sah, wie erfolgreich ich war.

Bei alldem trat Gott in den Hintergrund; ich dachte selten an ihn. Allenfalls die religiösen Traditionen, mit denen ich zu Hause konfrontiert wurde, waren geblieben. Und natürlich, was weiterhin die erste aller Regeln war: niemals der Familie Schande bringen!

Respekt vor Gott

Eines Tages war ich in meinem Elternhaus alleine mit meiner Freundin in meinem Zimmer. Wir wollten ungestört sein; Spaß haben. Plötzlich schoss es mir durch den Sinn: „Hab ich die Tür abgeschlossen?“ Ich fuhr auf und wurde bleich bei dem Gedanken, was passieren würde, wenn mein Vater hereinkäme und uns so vorfände. Eine Schande! Ich hätte meine Sachen packen können und hätte meinem Vater nie wieder vor die Augen zu treten brauchen. Wie erleichtert war ich festzustellen, dass abgeschlossen war! Doch dann die nächste Frage, die mich erstarren lies: „Was, wenn Gott dich so sieht?“ Auf einmal ging mir auf, dass ich mehr Respekt vor meinem Vater als vor Gott gehabt hatte. Wie konnte das sein? Er war es doch gewesen, der Allmächtige, der, seitdem ich denken konnte, immer irgendwie auf mich aufgepasst hatte. Ich weiß nicht, wie oft ich „Gott sei Dank!“ gesagt habe; nicht aus Gewohnheit, sondern weil ich ihm wirklich dankbar war, dass er mich bewahrt hatte – etwa vor der Misere, in die mein Bruder seinerzeit hineingeraten war. Und ihn, Gott, hatte ich aus dem Bewusstsein verloren? Ja, ihn vergaß ich zu ehren. Vor ihm hatte ich mich nicht geschämt, mit meiner Freundin rumzumachen. Ihm war ich ungehorsam, immer mehr hatte ich mich entheiligt. Diese Gedanken ließen mir keine Ruhe mehr. Meine Freundin konnte nicht nachempfinden, was da gerade in mir vor ging … Doch ich saß regungslos da. Ich war beschämt. Ich wollte Gott etwas sagen, aber mein Hals war wie zugeschnürt. So blieb ich stumm.

Diese Erfahrung hatte Folgen. Egal, wo ich von jetzt an war – ob in der Disco, am Arbeitsplatz, mit Freunden am Feiern, beim Rauchen, beim Prügeln … – bei alledem musste ich mich fragen: „Was denkt Gott darüber?“ Diese permanente Konfrontation mit Gott war das Bedrückendste, was ich bis dahin erlebt hatte. Ich suchte Wege und Lösungen, ging in die Moschee beten, las den Koran, fragte verschiedene Menschen nach Allah … Dabei erhielt ich jedes Mal letztendlich die gleiche Antwort: „Du kannst Gott nicht begegnen!“ Doch ich hatte keinen Zweifel, dass der Allmächtige nicht fern ist. Deshalb wollte und konnte ich mich nicht mit der Antwort meiner Glaubensbrüder zufrieden geben. Ich wollte wissen, was Gott wirklich über mich denkt. Zwar sagte der muslimische Teil in mir, ich könne so etwas nicht verlangen. Dennoch zog ich an klaren Herbstabenden durch die Straßen, ich schaute auf zu den Sternen und sprach mit Gott. Ich bat ihn, er möge mir seinen Weg zeigen. Deutlich bitte! Falls ich keinen Hinweis von oben erhielte, so wollte ich mit Gott übereinkommen, würde ich meinen Plan weiter verfolgen und mich ihm erst ganz hingeben, wenn ich 50 wäre.

Doch Gott schwieg. Die Zeit verging und ich bekam keine Antwort. Ich fühlte mich leer, verfiel in Depressionen und hatte sogar Selbstmordgedanken. Es war so schwer, mit Dingen aufzuhören, die ich eigentlich gar nicht wollte und doch immer wieder zwanghaft tat. Ich war gefangen in meiner Haut. Ich schrie regelrecht zu Gott. Zudem suchte ich das Gespräch mit verschiedenen religiös geprägten Leuten – auch mit solchen, die ich für Christen hielt. Doch das, was sie mir sagten, verunsicherte mich eher, als dass es mir geholfen hätte.

Zweimal Rettung in letzter Sekunde

Irgendwann vernahm ich wieder eine Stimme in meinem Inneren, die mich fragte: „Warum läufst du über eine grüne Ampel, ohne nach links und rechts zu schauen?“ Ich war von diesem Fragesatz völlig ergriffen. Doch wem ich auch von dieser mir bedeutsam erscheinenden Eingebung erzählte, konnte nichts damit anfangen. Nach ungefähr drei Wochen – die Frage hatte mich in Abständen immer wieder beschäftigt –, sollte ich erfahren, was gemeint war. Ich stand an jenem Abend mit meiner Freundin vor einer roten Fußgängerampel. Ein Auto verlangsamte das Tempo und blieb stehen. Die Fußgängerampel schaltete auf grün und wir gingen über die Straße. Alles normal. Meine Freundin und ich sahen einander an, wir alberten herum, lachten … Es waren nur noch wenige Schritte bis zur anderen Straßenseite, als sich wieder diese Stimme meldete, diesmal gewaltig: „Warum läufst du über eine grüne Ampel, ohne nach links und rechts zu schauen?“ Ich erschrak, blieb auf der Stelle stehen und hielt meine Freundin fest. In diesem Moment raste ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit über die rote Ampel direkt an unserer Nase vorbei. Was war das? Drüben angekommen, brauchte ich ein paar Sekunden, um meine Freundin zu verstehen, die unentwegt sagte: „Du hast mir das Leben gerettet! Du hast mir das Leben gerettet!“ Als mir alles bewusst wurde und ich ihr erzählte, dass es Gott war, der uns das Leben gerettet hatte, als ich ihr erklärte, dass er mich die ganze Zeit auf diesen einen Augenblick vorbereitet hatte, winkte sie ab: „Hör auf, wieder von Gott zu reden! Er hat damit nichts zu tun. Wir hatten einfach Glück.“ Ich dagegen war mir mehr als sicher: Gott selbst hatte zu mir gesprochen.

Mit der Zeit verblasste dieses Erlebnis wieder und die Depressionen kamen zurück. Meine Suizidgedanken wurden immer stärker. Eines Tages war ich fest entschlossen, meinem Leben ein Ende zu setzen, indem ich aus dem Fester springe. Ich war im Haus meiner Eltern, war verzweifelt. Ein letztes Mal, wie ich meinte, sah ich mich in meinem Zimmer um …, als mein Blick plötzlich im Chaos des unaufgeräumten Raumes auf ein Traktat fiel mit der Aufschrift: „Jesus, deine letzte Hoffnung!“ Ich konnte mir zuerst nicht erklären, wie dieses christliche Schriftstück in mein Zimmer gekommen war. Später erinnerte ich mich daran, dass es mir vor Monaten jemand auf der Straße in die Hand gedrückt hatte, und ich es beim Leeren meiner Taschen ungelesen auf den Schreibtisch gelegt hatte. Ich nahm das Traktat in die Hand. Mit den Bildern und Versen konnte ich wenig anfangen, aber auf der letzten Seite war ein sogenanntes Übergabegebet abgedruckt, das meine Aufmerksamkeit weckte. Da stand: „Lieber Gott, ich bin ein Sünder und brauche Vergebung. Ich glaube, dass Jesus Christus sein unschuldiges Blut vergossen hat und für meine Sünden gestorben ist. Ich bin bereit, mich von der Sünde abzuwenden und lade Christus jetzt ein, als mein Erlöser und Herr in mein Leben und mein Herz zu kommen.“ Warum auch immer, ich betete dieses Gebet. Es fiel mir ungeheuer schwer. Mir war, als würden mir irgendwelche Geister den Mund zuhalten wollen. Aber ich betete es aufrichtig, weil es meine letzte Hoffnung war und etwas in meinem Herzen dem zustimmte, was da stand.

Ein Wunder der Versöhnung

In den nächsten Tagen erlebte ich eine Veränderung, die nur Gott bewirken kann. Ich wurde frei von meinen Abhängigkeiten, von Lügen, Gewalt, Geldsucht – nicht zuletzt auch vom Rauchen. Ich fand bald eine Gemeinde, wo ich Gott erleben konnte. Wirklich deutlich Gott. Er sprach zu mir mit derselben Stimme, mit der er mich zuvor an der Ampel gewarnt hatte. Seit meiner Kindheit hatte ich nicht mehr geweint, jetzt aber brach es nur so aus mir heraus. Jesus in meinem Herzen war einfach eine Begegnung der anderen Art. Ich war inzwischen 22 Jahre alt und sah die Welt nun mit anderen Augen. Ich erkannte die göttliche Realität. Als ich für mich selbst die Bibel anfing zu lesen – wieder sah ich mich veranlasst, meine Zimmertür dabei abzuschließen –, war es für mich Nahrung für meinen Geist und meine Seele. Mein Lebenshunger wurde gestillt, mein inneres Vakuum gefüllt. Die Bibel sättigt und sie stärkt.

Nach einiger Zeit bemerkte zuerst meine Schwägerin und schließlich die ganze Familie, dass ich mich äußerlich und innerlich verändert hatte. Sie fragten nach. Mein Bekenntnis zu Jesus schockierte alle zutiefst. Mein Vater hielt sich gerade in der Türkei auf; er wurde umgehend informiert. Ich bekam Angst, suchte mir eine Wohnung und zog von zu Hause aus. Vater brach seine Geschäftsreise ab und kam zurück, um mich zu sehen. Ich wurde vor die Familie zitiert und rechnete mit dem Schlimmsten. Wie zu erwarten, schäumte mein Vater vor Wut: „Geh auf die Knie und erneure das islamische Glaubensbekenntnis! Du wirst diesen Raum nicht als lebender Christ verlassen. Lieber ein toter Sohn als ein Christensohn.“ Doch ich hielt an meinem Bekenntnis fest. Auf dem Tisch standen ein schwerer Aschenbecher und eine massive Obstschale. Vor meinem inneren Auge sah ich schon, wie er danach greifen und auf mich einschlagen würde, um mich zu töten. Ich konnte im Stillen nur noch flehen: „Jesus, bitte! Jesus, bitte!“ In diesem Moment – mein Vater hatte schon nach dem Aschenbecher gegriffen – wurde er, der gerade noch geschrien, geschimpft und geflucht hatte, ruhig. Er lehnte sich schweigend zurück. Die folgenden Sekunden erschienen mir wie eine Ewigkeit. Schließlich sah er mir in die Augen. Was er dann sagte, hätte ich niemals für möglich gehalten: „Mein lieber Sohn, wenn dieser Weg der richtige ist, so gehe ihn weiter! Wenn du aber merkst, dass der Teufel dahinter steckt, dann komm zurück und bekenne dich wieder zum Islam! Möge der allmächtige Gott dich beschützen! Und denk immer daran, dass ich, dein Vater, dich liebe wie auch deine ganze Familie es tut! Komm uns öfters besuchen, lass dich nicht missen!“

Niemals zuvor hatte ich von meinem Vater gehört, dass er mich liebt. Da, wo ich den Tod erwartet hatte, fand ich Frieden. Ein Wunder! Es war Jesus, der das Herz meines Vaters verändert hat. Und auch mein Herz wurde weiter verändert; ich konnte meinem Vater vergeben und habe seitdem eine völlig erneuerte Beziehung zu ihm. Alle Ehre dem Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat!

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